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  • AutorenbildLaura

9. Gastfreundlichkeit, Freundschaften und unzählige schöne Begegnungen - wir betreten den asiatischen Kontinent.

Aktualisiert: 6. Jan.

Die Gastfreundschaft in der Türkei sorgt für eine Überschwemmung an positiven Gefühlen mit denen wir zum Teil überfordert sind. Wir hätten es nicht für möglich gehalten, wie einfach trampen sein kann. Und immer wieder merken wir, welche besondere Beziehung es zwischen TürkInnen und Deutschen gibt. Von Istanbul können wir uns nur schweren Herzens lösen, genießen dann aber auch die türkische Riviera und finden uns schließlich in einer Traumlandschaft in Kappadokien wieder.

Blick über die Dächer von Istanbul mit Bosporusblick

„Wer einmal nach Istanbul kommt, der bleibt.“ heißt es. Und das trifft wohl auch auf uns zu. Wir wollen vier Tage bleiben und bleiben 14 Tage. Die bunten Gassen, die vielen Basare, das gute Essen und die gute ausgelassene Stimmung in der Stadt fesseln uns. Besonders die Quartiere Besiktas und Kadiköy aber auch Balat mit den bunten Häusern haben es uns angetan. Chris überlegt schon, ob eine kleine alte Stadtvilla in Balat nicht ein schönes Ferienhaus wäre. Balat ist ein aufsteigender Stadtteil, in den wir uns ein bisschen verliebt haben. Es zieht uns dann aber doch weiter. Nicht so Hannah, eine „Multi-Freundin“ von Chris, sie ist wirklich geblieben. Aus einem Semester wurden 9 Jahre und das erste vegane Restaurant Istandbuls. Sie zeigt uns den asiatischen Teil der Stadt und besonders ihr Viertel Besiktas.



Auch aus unserem Couchsurfing Gastgeber Emir wird ein Freund, sonst hätten wir wohl auch keine 14 Tage bei ihm bleiben dürfen. Wir entwickeln eine Art WG-Routine frühstücken fast jeden Morgen zusammen, gehen am Wochenende zusammen joggen und lassen abends den Tag nach deutscher Tradition mit einem Bier oder nach türkischer Art mit einem Tee ausklingen.

internationales Couchsurfing Dinner in Istanbul

Emir lernt nicht nur gerade Deutsch, sondern auch Russisch und so sitzt auf einmal noch Sisi mit am Frühstückstisch. Sie kommt aus Russland, war die letzten Jahre aber berufsbedingt viel in Usbekistan und Kasachstan unterwegs. Sie spricht leider nur wenig Englisch, Emir dafür umso besser Russisch und übersetzt zwischen uns. Da es Sonntag ist, legen wir spontan einen Koch- und Backtag ein. Es gibt russische Hühnersuppe, russische Teigtaschen mit Ei und Dill, dazu machen wir typische deutsche Kräuterbutter (natürlich mir viel Knoblauch), Apfelstreuselkuchen und Herrencreme mit Erdbeerpüree. Emir besorgt noch Börek und damit ist unser internationales Essen perfekt. Es ist schön verrückt, was man mit Couchsurfing alles erlebt. Nach einem Raki Abend - ein Erlebnis, das man in Istanbul oder im Allgemeinen in der Türkei auf jeden Fall einmal mitmachen sollte, verabschieden wir uns von Emir. So lange haben wir noch bei keinem/r, GastgeberIn gewohnt. Und wir sind uns sicher, dass wir uns wiedersehen werden. Emir reist auch gerne und hat außerdem Verwandtschaft in Deutschland - bleibt also nur die Frage, wo und wann wir uns wiedersehen.


Raki-Abend: Zunächst spricht man Raki in der Türkei nicht mit einem i am Ende sondern eher mit einem lockeren e aus. Das i in Raki hat auch keinen Punkt. Der Raki Abend an sich ist umso schöner, desto mehr Leute man am Tisch ist, denn die Geselligkeit trägt einen großen Teil dazu bei. Raki-Restaurants erkennt man in der Regel sofort. Sie haben schön eingedeckte Tische, das Geschirr ist meistens schon platziert. Am Abend bestellt man dann viele kleine Gerichte, die in die Mitte gestellt werden und von denen sich alle bedienen. Türkische Tapas könnte man auch sagen. Kalte Cremes und Salate, köstliche warme Speisen, wie Auberginen in Knoblauch oder Bohnen in Tomatensauce. Schnell kommen an die 20 Tellerchen auf den Tisch, der immer zu klein ist. Und natürlich darf der Namensgeber des Abends nicht fehlen, der Raki. Es werden Flaschen in verschiedenen Größen und Qualitäten angeboten, den man in immer kürzer werdenden Abständen auf Eis und mit einem Schuss Wasser trinkt. Mit etwas Wasser wird der Schnaps milchig weiß und der Anis etwas milder. Zu Live-Musik wird die Stimmung bis in den späten Abend immer besser.



Da wir unerwartet lange in Istanbul waren und erstmal etwas Strecke machen wollen, es außerdem immer schwierig ist aus den großen Städten zu trampen und noch dazu der Zug recht günstig ist, geht es nun mit dem türkischen ICE nach Eskisehir. Eskisehir wird bei den Einheimischen auch als türkisches-Amsterdam bezeichnet, denn in der Studentenstadt sind alle mit Fahrrädern unterwegs und es gibt tatsächlich eine Gracht, die sich durch die Innenstadt schlängelt. So fühlen wir uns natürlich direkt heimisch, lege ich Zuhause doch fast alle Wege mit dem Fahrrad zurück. Außerdem werden wir liebevoll von Datos und seinen FreundInnen in deren eigenen Café in Empfang genommen. Es war wirklich spannend, wer hat sich nicht schon mal gedacht „Ein eigenes Café, das wäre schön.“. Die drei Jungs haben sich zusammengetan und sich ihren Traum erfüllt. Datos hat auch noch eine Überraschung für uns, er hat in unserem Profil gelesen, dass wir gerne zu Konzerten gehen und so werden wir am Samstag gemeinsam ein Ska-Punk-Konzert besuchen, genau unsers.

Live Konzert in der Studentenstadt Eskeshir

Dieses Konzert wird für eine lange Zeit unser letztes sein. Wir haben da schon so eine böse Vorahnung und gehen beim Konzert voll mit. Es gibt Bomonti, unser türkisches Lieblingsbier, wir sind mit entspannten Leuten hier und die Band sorgt mit ihrem Balkan-Polska-Punk für richtig gute Stimmung. Nach einem feierwütigen Abend darf natürlich der Mitternachtssnack nicht fehlen. So kaufen wir noch Köfte-Ekmek (türkisches Frikadellen Brot) auf dem Nachhauseweg. Der Taxifahrer bringt uns extra zum letzten offenen Imbiss der Stadt und wird direkt von uns mitgefüttert. Als wir am nächsten Morgen noch etwas verkatert und verschlafen im Zug sitzen, haben wir zwar noch ein leichtes Dröhnen im Kopf, dafür aber auch viele schöne Bilder vom gestrigen Abend gesammelt und neue Freundschaften, die wir nicht vergessen werden.


Wir fahren ins unbekannte Örtchen Denizli, um uns das umso bekanntere und wie wir finden überschätzte Pamukkale anzuschauen. Hamdy unser Gastgeber ist super drauf und da er am nächsten Tag frei hat, bleiben wir spontan einen Tag länger und erkunden die Gegend. Für umgerechnet einen Euro können wir mit der Gondel auf den Hausberg der Stadt fahren und könnten hier den Ausblick auf die Stadt genießen, wenn das Wetter mitspielen würde. Solche Preise hätten wir uns für Österreich gewünscht. Doch es gibt eine Unwetterwarnung und alle müssen noch schnell mit der Seilbahn wieder runter kommen. Abends gehen wir etwas trinken, aber kein Bier, Cocktails etc., sondern Tee, Kaffee oder Milchshakes. Für uns etwas unbekannt in einer Studentenstadt, gefällt uns auch diese Art des Ausgehens sehr gut. Meistens geht es doch darum, einfach Zusammen Zusein und gesellig etwas zu trinken. Bei uns hat sich das Bier etabliert, hier der Tee. Was uns auch sehr gut gefällt, dass der Tee in der Türkei sehr günstig ist. Das gefällt uns nicht nur, weil wir unseren Geldbeutel schonen können, sondern weil so jede/r am Sozialleben teilnehmen kann. Das findet nämlich in den Teestuben statt. Hier sitzen die Leute meist stundenlang, manchmal auch tagelang haben wir den Eindruck.


Wir haben keine Lust zu Trampen, als wir am nächsten Tag am Straßenrand stehen und das Meer als Ziel haben. Noch haben wir weder einen Couchsurfing Platz oder einen genauen Plan wo es überhaupt hingehen soll. Wir peilen Fehtiye an, um die Ölüdenizbucht zu besuchen, aber wo genau und ob wir da zelten können, das wissen wir nicht. All diese Fragen werden uns heute abgenommen, als eine Familie hält. Sie kommen gerade aus dem Krankenhaus. Die jüngere der beiden Schwestern hat noch den Arm in Gips. Sie haben Ferien und die Stimmung ist entsprechend ausgelassen. Die beiden Mädchen sind super interessiert an uns. Wir werden zum Mittagessen eingeladen: Gegrillter Fisch, Salate, frisches Ekmek (Brot), und hausgemachter Ayran. Sie finden immer mehr neugierigen Gefallen an uns und so werden wir wenig später ins Sommerhaus der Familie eingeladen. Das steht gerade noch leer und wir dürfen es bewohnen. Wir wissen gar nicht wie uns geschieht und sind einfach super Dankbar. Ein kleiner Bungalow mit Garten, Katzenbabys und Zitronenbaum, ein paar Bushaltestellen vor Fehtiye Stadt gelegen. Wir bleiben drei Tage, besuchen die Ölüdenizbucht, grillen mit unserer Gastfamilie und Chris geht zum Barber. Es ist das erste Mal, dass nicht Wilma, Chris Stammfrisörin seit 30 Jahren seine Haare bezwingt. Inkludiert ist neben dem eigentlichen Haarschnitt ein rundum Wellnessprogramm mit Massage, Cremes und chiropraktischen Übungen. Auch ich werde noch mit einer Massage und Gesichtsmaske verwöhnt. Genau rechtzeitig werden wir „aufgehübscht“, denn wir kommen unverhofft ins Fernsehen. Ein Arbeitskollege von mir geht häufig mit FreundInnen tauchen, darunter auch Melanie. Sie arbeitet für den WDR und in einem Gespräch ist unsere Reise gefallen. So bekommen wir einen überraschenden Anruf und werden im Rahmen der Lokalzeit Ruhr Teil der Serie „Pott on Tour“ sein.


Wir haben auch gemerkt, dass wir eine Pause von täglich neuen Kontakten und wechselnden Orten brauchen und deswegen ein Hotel mit Pool und Frühstück für eine Woche im nächsten Ort gebucht. Morgens gehen wir erst in den Pool, dann zwei Stunden zum Frühstückbuffet. In der türkischen Kultur ist das Frühstück ebenfalls eine wichtige Mahlzeit, das gefällt uns natürlich. Danach sitzen wir meistens bei Kaffee und Tee bis zum Nachmittag am Computer, denn unsere Steuererklärung des Vorjahres wartet noch auf uns und diverse Megabyte Filmmaterial müssen dem WDR über das sehr langsame WiFi in der Lobby gesendet werden.  Am Abend hüpfen wir dann meistens nochmal in den Pool oder ins Meer, das ebenfalls fußläufig erreichbar ist.


Die Woche ist viel zu schnell um und Antalya ruft. Schon verrückt, gerade lagen wir noch am Pool, jetzt stehen wir wieder an der Straße mit unseren Rucksäcken.

überragende Gastfreundschaft beim Trampen in der Türkei

Ahmed nimmt uns mit und ist ganz begeistert, als er hört, dass wir aus Deutschland sind. Erst werden uns alle Fußballvereine und deutsche Automarken genannt. Wir wundern wir uns, dass er selbst die eher kleineren Vereine aus der 2 Liga kennt. Dann ruft er seinen Cousin an, der in Köln wohnt und drückt uns sein Handy in die Hand. „Ja, hi. Wir sitzen gerade bei Deinem Cousin im Auto, der so lieb war uns mitzunehmen.“ erzählen wir. Der neue Kölsch-Türkische Freund übersetzt noch unsere Geschichte, dann geht das Telefon an Ahmed zurück. Wir erleben es sehr häufig, dass unsere GastgeberInnen Familie und FreundInnen in Deutschland haben und nicht selten werden diese Kontakte dann auch zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen und uns der Hörer in die Hand gedrückt. Wir sind meistens ein bisschen überfragt über was wir uns denn unterhalten sollen, freuen uns aber immer über die Freude, die wir bei unserem GastgeberInnen hervorrufen. Das Einzige, was uns beschäftigt und wir ehrlich gesagt wirklich nicht wussten: Es ist für die allermeisten TürkInnen sehr schwer nach Deutschland zu kommen, auch wenn es nur um ein paar Tage/Wochen Besuch geht. Es scheint für uns nicht fair zu sein, dass wir hier visafrei sein dürfen und es für unser Gegenüber mehr oder weniger unmöglich ist, nach Deutschland (zu uns) zu kommen.


Antalya hatten wir eigentlich nur als Touri-Partystadt im Kopf, aber die Stadt gefällt uns sehr gut. Sie hat nicht nur eine schöne Strandpromenade, sondern auch eine wirklich schöne Altstadt. Noch besser gefällt uns aber die freundliche Aufnahme in Fundas Familie. Tilsim, Fundas Tochter zeigt uns ihre Universität. Der Campus ist riesig und beherbergt neben den Fakultäten, diverse Mensen, Cafés, Gärten, Sportanlagen, ein Heckenlabyrinth, einen kleinen Wald und Seen mit Schildkröten. Hier kann man von einem wirklichen Campusleben sprechen, ist es doch wie ein eigener Stadtteil. Da kann Duisburg-Essen und eigentlich keine deutsche Uni mithalten. Tilsim erklärt uns, dass die meisten Unis in der Türkei solche Areale darstellen und wir sind beeindruckt. Wir fühlen uns an diesem Tag auch, wie junge StudentInnen als wir in der Nacht nach dem Stadtbummel in den Pool der Wohnanlage springen.  


VIP Bulli um nach Mersin zu Trampen

Zwei Tage später haben wir es eilig. Wir wollen es bis ins 400km entfernte Mersin, Oberhausens Partnerstadt schaffen. Da trampen in der Türkei echt gut klappt, trauen wir uns mittlerweile an solche Entfernungen heran. Heute läuft es aber irgendwie nicht und so wollen wir schon aufgeben, als ein goldener VIP Bulli hält. Wir sind irritiert und fragen Mesut, 5-mal, ob er uns denn einfach so mitnimmt oder am Ende eine Taxirechnung kommt. Doch er hat keine Kundschaft und fährt über die Opferfest-Feiertage in seinen Heimatort und er fährt bis kurz vor Mersin - unglaublich. Wir reisen also den ganzen restliche Tag, wie die Könige die türkische Küste entlang. In seinem Heimatdorf, 10km vor Mersin werden wir dann noch zum Abendessen eingeladen. Heute ist Bajram (Opferfest) und da wird traditionell mit der Familie gegrillt und Gäste sind gerne gesehen. So erreichen wir gestärkt, glücklich und pünktlich Mersin.  


Mersin stand mehr oder weniger „nur“ auf unserer Liste, weil es Oberhausens Partnerstadt und damit auch „Multi-Jugendaustausch-Stadt“ ist. Mersin kann nicht mit einer schönen Altstadt oder bahnbrechenden Sehenswürdigkeiten auftrumpfen. Aber darum geht es auch gar nicht, merken wir mal wieder. Wir verbringen einen wahnsinnig tollen Tag mit Ridvan in der Obstfirma seines Onkels. Wegen Bajram ist die Firma stillgelegt, aber Ridvan soll ein Auge auf sie haben. So hat er Zeit uns alles zu zeigen. Wir schauen uns die Bananenplantagen an, kochen in der großen Mitarbeiterkantine Pommes fürs Frühstück, lernen Gabelstapler zu fahren und bekleben all unsere Sachen mit bunten Obststickern voll. In Mersin gibt es zwar keine Sehenswürdigkeiten, aber die Stadt ist für ihr Stadtgericht Tantuni bekannt: Yufka-Rollen, die mit Hackfleisch, Tomaten, Zwiebeln, Petersilie und vielen Gewürzen gefüllt sind. Häufig werden die Tantuni dann noch mit Joghurt übergossen. Und da uns „essbare Sehenswürdigkeiten“ meistens sowieso mehr interessieren als alte Steine, hatten wir uns schon sehr auf dieses Gericht gefreut. Aber der beste Laden der Stadt ist geschlossen und so probieren wir Ridvans Lieblingsessen Mumbar Dolma. Weil wir das Gericht nicht kennen, erklärt Ridvan es schnell: „Es ist eigentlich vegetarisch. Reis mit Gemüse im Schafsdarm“, da müssen wir schon etwas schmunzeln. Da wir aber nicht ausschließlich vegetarisch essen, probieren wir das Gericht. Der strenge Ziegengeschmack ist markant, würden wir sagen. In begrenzter Menge schmeckt es uns aber sehr gut. An der Promenade lassen wir den schönen Tag mit einem Eis ausklingen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen und würden Sie gerne noch verlängern, aber in wenigen Tagen kommt spontan ein Geschenk für uns an der Schwarzmeerküste an.


Am Autobahnkreuz in Mersin müssen wir nicht lange warten, eine Großfamilie hält, obwohl der alte Sprinter eigentlich „Picke-Packe-voll“ ist, finden auch wir noch einen Platz. Wir sitzen mit den vier Teenager Jungs der Familie, die leider auch schon mit ihren 6 – 14 Jahren rauchen, zusammen im Laderaum. An der nächsten Ratsstätte werden wir zu Cola und Keksen eingeladen und das obwohl die Familie selber kaum Geld hat, da sind wir uns ziemlich sicher. Aber Gastfreundschaft hat hier einen sehr viel höheren Stellenwert als wir es kennen. Wir haben zumindest noch ein paar Bonbons, die wir teilen können und sind gerührt. Das Erscheinungsbild der Familie würde in Deutschland alle dazu bewegen, sich wegzudrehen und ihre Portmonnaies festzuhalten. Es war eine so herzliche Begegnung und wir winken lange hinterher, als der rostige Wagen mit aufheulendem Motor in einer schwarzen Rußwolke verschwindet.


Unsere nächste Mitfahrgelegenheit ist ein LKW. Mit Mesut, unserem netten LKW-Fahrer sind wir zwar nicht die Schnellsten, dafür kommen wir sicher ans Ziel und werden obendrein noch mit Baklava seiner Frau versorgt. Nach einer schier endlosen Autofahrt ins nichts, sehen wir am Nachmittag die ersten bizarren Felsformationen in der Ferne. Zweimal müssen wir dann doch noch das Auto wechseln und zum Schluss mit dem Dolmuş fahren, dann sind wir in Göreme-Kappadokien. Gerade noch rechtzeitig, um unser Zelt im Hellen aufzuschlagen und den Sonnenuntergang zu genießen. Da wir nicht genau wissen, wo die weltberühmten Ballons starten, schlagen wir unser Zelt zentral auf einem einzelnen Hügel auf.  Bei einem abendlichen Picknick tauchen die letzten Sonnenstrahlen des Tages, die skurrilen Felsformationen in sämtliche Rottöne, bis sie schließlich am Horizont verschwinden. Uns ist ein kleiner Hund zugelaufen, der uns seit dem Abend begleitet. In der Nacht beschützt er uns vor „gefährlichen“ Vögeln und Fledermäusen. Zu einem ruhigeren Schlaf trägt ihr Bellen nur leider nicht bei, liebgewonnen haben wir sie trotzdem.


Als der Wecker am Morgen klingelt, brummt es schon von unzähligen Aggregaten rund um unser Zelt. Der ausgewählte Zeltplatz war wohl ein Volltreffer. Wir sind sofort auf den Beinen und aus dem Zelt. Wobei das eigentlich gar nicht nötig ist. Wir müssen nur die Zeltwand öffnen, schon sind wir umzingelt von Ballons. So entpuppt sich unser Hügel als absolut perfekter Aussichtspunkt. Wir sind einfach umringt von Ballons. Es ist ein überwältigendes Gefühl ein Teil dieser atemberaubenden Landschaft zu sein. Diese unzähligen farbenfrohen Ballons, die immer wieder aufleuchten in der einzigartigen Felsenlandschaft, die durch das Licht des beginnen Tages einen sanften Pastellton bekommt.  Wir beobachten von oben das Treiben. Minibusse fahren die noch müden aber sichtbar aufgeregten Passagiere zu den flackernden Riesen. Die Körbe packen sicher 10 Personen. Die Brenner rauschen laut auf und strömen mit zwei blauen Flammen die heiße Luft in die Hülle. Dann heben sie langsam und lautlos ab und fliegen in den neu anbrechenden Tag. Ein ganz besonderer Morgen, den wir hier in Kappadokien erleben dürfen.



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