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5. Aus den Skischuhen ins Dirndl...

Aktualisiert: 9. Dez. 2023

In der Gastro läuft so einiges anders, als wir es aus unserem bisherigen Arbeitsleben kennen. Außerdem lernen wir sehr viel Neues, hoffentlich bleibt davon etwas hängen. Neben dem Tragen und Servieren von Tellern bei denen das Gericht jeweils erklärt wird, erwartet uns noch eine 20-seitige Weinkarte, diverse Aperitifs und nicht zu vergessen das wechselnde Tagesmenü. Wir finden uns jedoch schnell ein und Dank der richtigen KollegInnen an unserer Seite, geht uns die Arbeit gut von der Hand.

Ski-Landschaft im Sonnenuntergang

Dass man in dieser Branche nicht so auf Arbeitszeiten schaut, stellen wir direkt am ersten Tag fest, denn wir werden direkt eingespannt, obwohl unser Vertrag erst am Folgetag beginnt. Für uns kein Thema, denn wir freuen uns zu starten. Außerdem können wir so schon alle KollegInnen und das Haus ohne Druck kennenlernen, da noch keine Gäste da sind. Doch in den Branchen aus denen wir kommen undenkbar, alleine aufgrund des deutschen Lieblingsgrunds, der „ungeklärte Versicherungsschutz“. Aber vielleicht ist das auch wirklich nur ein deutsches Ding. Die ersten Tage sind echt hart für uns. Es geht schon damit los, dass wir die Mindestanforderung von drei Tellern tragen nicht erfüllen können. Unsere KollegInnen haben diese Skills voll drauf, sie tragen locker drei oder auch gerne noch mehr Teller und zeigen uns die nötigen Tricks. Mit den Tellern klappt es dann auch immer besser. Auch das abendliche Menü auswendig zu lernen, wovor wir am Anfang Angst hatten, klappt erstaunlich gut. Die Gerichte wiederholen sich teilweise und wir dürfen sie auch immer mal wieder probieren, was unser Gedächtnis natürlich unterstützt. Aber manchmal hat die „österreichische“ Sprache doch ihre Tücken, warum heißt denn bitte Tomate - Paradaiser und Blumenkohl - Karfiol?! Na gut, ich gebe zu beides klingt deutlich schöner und ausgefallener als im Deutschen, aber verrückt ist es trotzdem.

Die Weinkarte macht uns echt zu schaffen. Aber hier helfen die wöchentlichen Schulungen, die das Hotel organisiert. Neben den Weinschulungen gibt es im Übrigen auch Bier- Spirituosen- und Käseschulungen. Die Weine, die wir in den Schulungen kosten, bleiben in doppelter Hinsicht hängen und werden deswegen regelmäßig zu kleinen Verkaufsschlagern in unserem Bereich, weil wir diese dann wirklich beschreiben und empfehlen können.

An den wöchentlichen Hoteleigenen Schulungen nehmen wir gerne teil. Hier sind wir bei der Bier Schulung.

Hier kommt dann wieder ganz die Pädagogin aus mir raus, was wir erleben und mit allen Sinnen erfahren, bleibt einfach besser im Kopf. Im Kopf merken wir aber auch den Wein, das Bier oder den Schnaps, denn alle Schulungen finden immer um 11 Uhr vormittags statt. In der Nachmittagsschicht fliegen wir dann nur so im Restaurant umher, während wir die Tische für den Abendservice eindecken. Generell lernen wir Wein hier sehr zu schätzen. Haben wir uns zwar auch schon in Italien den ein oder anderen Wein gegönnt, in der Regel. 5 Liter Kanister für 5€, so müssen wir hier eingestehen, dass es doch qualitative Unterschiede gibt. Aber nur bis zu einem gewissen Maß. Ein Gast sagte so schön: „Natürlich könnte ich mir den teuren Wein leisten, aber ab 50€ lohnt es sich nicht mehr.“ Wir erleben aber auch, dass Gäste Wein für 500€ die Flasche kaufen. Gerne auch direkt 2-3 Flaschen am Abend. Hier lassen wir es uns natürlich auch nicht entgehen ein Tröpfchen zu probieren, sollte am Ende etwas in der Flasche bleiben, wenn der Gast gegangen ist. Aber überzeugen konnten uns die ganz teuren Weine meist nicht. Sind sie doch schon eher wie Sirup oder Portwein.


Die Arbeit mit den Gästen gefällt uns sehr und ich würde einfach mal behaupten wir machen uns gar nicht schlecht. Bereits nach 2 Wochen bekommen wir unsere ersten Tische zugeteilt und bald arbeiten Chris und ich die meiste Zeit im Team und versorgen unsere „eigenen“ Bereiche. Dies hat den Vorteil, dass wir einige Tage die gleichen Gäste betreuen und wir so näher in Kontakt kommen. Dass man zufrieden mit uns ist zeigt sich auch im Trinkgeld. Generell ist Trinkgeld aber ein heikles Thema. Alle Trinkgelder gehen in einen Topf und werden dann verteilt. Diese Aufteilung führt immer wieder zu Spekulationen und Unzufriedenheit im Team. Denn eine Verteilung, die allen Gerecht wird, gibt es auch hier mal wieder nicht. Aber eine richtige Lösung ist an der Stelle auch wirklich schwierig. Wichtig finden wir auf jeden Fall, dass die Küche mit einem fairen Anteil beteiligt wird, schließlich trägt sie erheblich zum Wohlergehen der Gäste bei. Ein Stammgast aus dem Rheinland (wir waren natürlich ganz begeistert, dass jemand aus unser Ecke zu Gast ist) hat durchschaut, dass es auch gut ist, sich mit der Küche gut zu stellen. Er spendiert regelmäßig eine Feierabendrunde für das Küchenpersonal und bedankt sich persönlich für das gute Essen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass er auch viele Sonderwünsche hatte, die bei anderen Gästen auf Skepsis in der Küche stoßen würden. Bei so einem freundlichen und dankbaren Miteinander werden hier die Wünsche aber selbstredend noch lieber erfüllt. Auch bei neusten Kreationen, wurde auf seine Meinung gesetzt und so durfte er nicht selten vorab kosten, was es am Abend geben wird.

Hier eine kleine Fotoserie der Hotelkreationen:


(K)ein Weinachten wie jedes andere

Die Advents- und Weihnachtszeit ist hart für mich, denn mir fehlen meine Familie und Freunde schon sehr, obwohl es so schön weihnachtlich in Schruns ist. Das Adventsfrühstück mit meinen Eltern oder ein großer Adventsbrunch im Freundeskreis, die Weihnachtsbäckerei mit FreundInnen, Glühwein und Weihnachtsmärkte. Auch deswegen ist Heiligabend für mich eine Tortour. Nach den 14 Stunden bin ich erleichtert, als wir mit KollegInnen bei einer Perso-Runde in der „Knastkantine“ sitzen, wie wir die Mitarbeiterkantine liebevoll getauft haben. Die Kantine ist nämlich im Keller des Hauses, sie ist sehr einfach eingerichtet und das einzige kleine Fenster liegt hoch mit ein Gitter drauf. Zum Raucherbereich gibt es eine elektrische Schiebetür mit Taster.

Mit unseren KollegInnen sitzen wir gerne in der Kantine.

Trotzdem verbringen wir hier schöne Stunden. Zur Mittagszeit finden sich hier alle ein egal ob Housekeeping, Serviceteam oder Führungsebene. So sind hier doch irgendwie alle gleich und man kommt mit allen ins Gespräch. Zur Weihnachtszeit ist unsere „Knastkantine“ sogar ein wenig dekoriert und die Patisserie hat köstliche Plätzchen auf den Tischen verteilt. Außerdem gibt es am 1. Weihnachtstag ein wirklich prächtiges Weihnachtsessen: Champagnerrisotto mit Riesengarnelen, Schweinbraten mit Trüffelpasta und Bohnen im Speckmantel. Wir sind begeistert und vielleicht auch etwas überfuttert.


Die nächsten Tage sind rappelvoll und zwischen den Jahren sind die einzigen zwei Wochen in denen wir nicht Ski fahren gehen. Zum einen sind wir platt und müssen uns an unserem freien Tag einfach erholen, Pausen gibt es praktisch nicht in der Zeit. Außerdem sind die Pisten übervoll in dieser Zeit. Erschwerend kommen die schlechten (viel zu warmen) Witterungsverhältnisse hinzu. Dafür ist auf der Arbeit immer etwas los, aber im positiven Sinne. Es sind viele Kinder im Haus, die Leben ins Hotel bringen. Ein weiterer Vorteil den sie mit sich bringen ist das Kinderbuffet. Wenn viele Kinder im Hotel sind, wird zusätzlich am Abend ein Kinderbuffet angeboten und Buffet heißt meistens… Reste. Im „Backoffice“, die offizielle Beschreibung des Küchen- und Servicebereichs, warten dann schon alle auf Mini-Schnitzel, frittierte Maultaschen und Pommes. Außerdem sind die meisten Gäste für eine Woche oder länger da und so kennen wir sie nachher gut. Es ist schön, die Gäste dann mit kleinen Aufmerksamkeiten zu verwöhnen. Dazu gehört zum Beispiel bereits die Getränke oder besondere Wünsche bspw. Maggie oder Tabasco (dies wird sich auch im 5-Sterne Hotel gewünscht) auf den Tisch zu stellen. Oder wir können uns schon im Vorhinein um Alternativen kümmern, wenn wir wissen, dass die Gäste bestimmte Dinge nicht essen und so direkt eine Sonderkreation präsentieren.

Hier ein Auszug aus unseren Wünsche-Highlights:

- „Ich hätte gerne einen Hugo. Aber ohne Minze und machen Sie bitte nicht so viel Holunder rein.“

- „Können Sie mir eine neue Flasche Tabasco bringen?“ (7x bei einem 3 Wochen Aufenthalt).

- „Bitte ein kleines Bällchen Vanillje Eis und darauf einen dreifachen Wodka.“, „Sehr gerne Madame“.

- „Ein glutenfreien, veganen Kuchen ohne Zucker bitte, aber nicht wieder was mit Obst, das hatte ich ja gestern schon.“

- „Wo finde ich den Kaffee?", "Am Frühstücksbuffet finden Sie die Automaten, mit einer Kaffeeauswahl.“ „Ich möchte aber dass Sie mir den Kaffee bringen." "Aber selbstverständlich gerne.“

- „der koreanische Single Malt Whiskey klingt gut. Auf Eis und Pepsi bitte, keine CocaCola, das passt nicht.“


Dann kommt tatsächlich das viel Beschworene, von der Hoteldirektion gehasste und von den Mitarbeitenden ersehnte „Jänner-Loch“. Alle können einen Teil ihrer Überstunden abbauen und da zwischenzeitig wenig Personal eingeplant ist, können wir auch etwas mit unseren KollegInnen unternehmen: Ski fahren, gemeinsam Pizza essen gehen etc. Wir nutzen unsere Freizeit in vollen Zügen. Allerdings sind wir da irgendwie eine Ausnahme im Team. Die meisten haben, wie auch wir eine 6 Tage Woche und brauchen Ihren freien Tag einfach zum Ausspannen, was wir gut nachvollziehen können. Wir haben aber gemerkt, dass uns das einfach nicht glücklich macht. An unseren freien Tagen, quälen wir uns meistens irgendwie zeitnah aus dem Bett, um intensiv das Montafon mit seinen Skigebieten zu erkunden. Beim Eisklettern auf der Bielerhöhe erleben wir Schnee und Eis aus einer völlig neuen Perspektive. Nicht bedacht haben wir, dass die Sonne hier in der Höhe auch eine andere Perspektive auf uns hat. Die starke Reflexion im Schnee macht uns zu schaffen. So können wir nicht unterscheiden, ob wir als wir (das einzige Mal) zu spät zur Schicht kommen, aus Scham oder von der Sonne rot sind.

Im Jänner- bzw. Februar-Loch ziehen wir auch Chris Geburtstagsgeschenk vor. Zum 30. Kann man schließlich mit „alte Leute Zeug“ anfangen. Außerdem können wir etwas Erholung gebrauchen und Chris spricht schon seit Wochen davon schwimmen gehen zu wollen und schmachtet regelmäßig das feine Essen im Hotel an. Wobei das Mitarbeiteressen auch wirklich gut ist und wir außerdem immer wieder in den Genuss der feinen Kost kommen. Aber es ist natürlich schon etwas anders, wenn wirklich ein Teller für einen so schön angerichtet wird. Wir fahren auf den Bärtholomäberg ins Wellnesshotel „Fernblick“. Hier erwarten uns Spa Bereiche mit Blick in die Berge, einen Infinity Pool und einen extra Skypool der über den Abhang reicht, ein Frühstücksbuffet und ein 6 Gänge Menü mit Vorspeisen- und Käsebuffet. Außerdem hat nicht nur unser Hotel ein Besucherloch, sondern auch die umliegenden Hotels. Somit haben wir die wahnsinnigen Anlagen teilweise für uns.

Ein kurzer Einschub über unser Essen im Hotel: Für die fast 200 Mitarbeitenden im Hotel gibt es eine eigene kleine Kantine. Hier gibt es Frühstück, Mittag- und Abendessen. Sonntags gibt es Sonntagsessen und in Österreich heißt das Schnitzel.

süßer Sonntag in der Hotelkantine (Scheiterhaufen und Kaiserschmarrn)

Unser beider Lieblingsessenstag ist somit der Sonntag. Während ich jedoch am Meisten den süßen Sonntagabend mit Kaiserschmarrn und österreichischen „Scheiterhaufen“ feier, freut sich Chris meistens schon seit dem letztem Sonntag auf das Wienerschnitzel (nicht selten vom Kalb) am Mittag des nächsten Sonntags. So sind wir beide sehr glücklich an diesem Tag. Auch der Montag hat als „Salatmontag“ seine selbsterklärende Regelmäßigkeit. Beim ersten Mal gab es Wurstsalat und wir dachten „oh, sind wir einmal gespannt, welche anderen Salate da noch folgen werden.“ – Es gab dann 16 Montage in Folge Wurstsalat. Mit Salaten ist es wohl nicht so abwechslungsreich in den Bergen. Die restlichen Tage variierten, wobei Lasagne und eine sehr dick gebackene Pizza häufig vorkamen.


Von „Ich glaube ich sterbe“, über „Ich glaube ich könnte überleben“ hin zu „Irgendwie macht es Spaß“

Während ich am Anfang unserer Zeit im Montafon immer mit wackeligen Knien auf den Skiern stehe und mich frage, warum ich mich eigentlich freiwillig in den Tod stürze, macht es mir von Tag zu Tag mehr Spaß. Ein richtig großer Schritt ist dann für mich, als ich mich zum ersten Mal alleine auf die Piste wage. Und ich kann es kaum glauben, es war schön. Ich fühle mich immer sicherer und kann zunehmend das Ski fahren und die tolle Aussicht genießen. Nur vereiste Stellen machen mir weiterhin zu schaffen. Außerdem „eier“ ich total rum, sobald die Sichtverhältnisse schlechter werden. Andere scheint das gar nicht zu stören. Ich frage mich dann immer, ob es an mir liegt und ich einfach blind bin oder ob es den anderen schlicht egal ist und sie sich blind einen Berg hinunterzustürzen.


Wir nutzen auch unsere Pausen immer besser und fahren nochmal schnell für ein paar Stunden zum Ski fahren, zum Spazieren oder zum Sonnen ins benachbarte Skigebiet. Für uns aus dem Ruhrgebiet, in dem es weder Berge noch Schnee gibt, ist es eine neue und schöne Erfahrung eine Saisonkarte zu besitzen und somit (nahezu) jeden Tag in die Berge fahren zu können. Außerdem bringen Dauerkarten immer den Vorteil mit sich, dass sie schon bezahlt sind und wir so auch für 1-2 Stündchen fahren können ohne zu überlegen, ob es sich auch wirklich lohnt. Wir haben eine Saisonkarte, die jedoch nur von Mo-Fr gültig ist, diese ist deutlich günstiger und wurde dazu noch vom Hotel subventioniert. In der Regel hatten wir ohnehin nicht am Wochenende frei, so war es für uns ein super Angebot. Wir haben dann etwa so viel bezahlt, wie sonst im Skiurlaub für eine Woche. Und was soll ich sagen? Am Ende kam ich sehr passabel in schönen Kurven und Schwüngen die weiße Hölle hinunter. Und ich glaube, ich möchte es wieder tun.


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